Seit wann geht das Kaufdatum den Emittenten irgendetwas an?
Nachweisen muß der Gläubiger lediglich den rechtmäßigen Besitz der Anleihen zum Zeitpunkt der Abstimmung, mit entsprechendem Sperrvermerk. Wo und wann er gekauft hat und mit welcher Motivation geht den Schuldner einen feuchten Kerricht an.
Wie gesagt, bei rein formaler Betrachtung hast du natürlich Recht. Aber wie man an den letzten, aktuellen Entscheidungen der Obergerichte und vor allem des BGH gesehen hat, spielt die materielle Rechtslage und dabei die Abwägung zwischen Gläubiger-und Schuldnerrechten eine zentrale Rolle.
Man kann sogar sagen DIE zentrale und entscheidende Rolle. Die Sanierungsbemühungen der Gesellschaften werden hier höher bewertet, als das schnelle Gewinnstreben einzelner sehr aggressiver Anleger, die sich ganz bewusst ausserhalb der Gläubigergemeinschaft stellen.


Selbstjustiz mit adhoc-Rechtsauslegungen in einer GV geht gar nicht - schon gar nicht mit dem Argument, die Gerichte würden das ja später sowieso absegnen. Mit solchen Allmachtsansprüchen könnten dann auch gleich Verhaftungen vor Ort vorgenommen werden.
Minderheitengläubiger werden durch die Mehrheit dann einfach festgesetzt. Hallo, geht´s noch?
Du kommunizierst eindeutig zuviel mit einem gewissen Blogbetreiber und nimmst dabei dessen Vokabular an.

Allein schon die Abstimmerei durch die Gläubiger und den Gemeinsamen Vertreter ist eine Slapstick-Komödie.
Man fragt sich schon wessen Geschäft der GV eigentlich betreibt.
Das wird im Rahmen der wohl anstehenden Gerichtsverhandlungen in dieser Sache eine der entscheidenden Fragen sein:
Ob der GV grds. für alle in der Versammlung anwesenden Stimmen das Stimmrecht wirksam ausüben durfte und konnte oder nicht.
Darf er es, dann ist eh alles geklärt und die Anfechtungsklagen werden ins Leere gehen.
Das der GV hier möglicherweise nur als Strohmann für die Gesellschaft fungiert und deren Interessen wahrnimmt, statt diejenigen der Anleihehalter wird in diesem Hinblick sicher auch thematisiert werden.

Bei der Carpevigo kommt dann noch dazu, dass dies die einzige Anleiheserie ist, welche auf Widerspruch bei der Umstrukturierung stösst.
Die anderen wurden ja offenbar mit Zustimmung der jeweiligen GV problemlos geregelt mit Laufzeitverlängerung und Zinsanpassung.

Wenn bei dieser einen Serie nun etwas anderes herauskommen sollte, dann wird es sicherlich einen Rattenschwanz an anderen Problemen und Gerichtsverfahren nach sich ziehen. Was die Sache bestimmt deutlich erschwert.

Werden jedenfalls interessante Prozesse.